Nach Art. 50 Abs. 2 KI-Verordnung müssen Anbieter generativer KI ihre Ausgaben maschinenlesbar markieren, etwa über IPTC-Metadaten oder C2PA. Händler müssen Deepfakes als Betreiber sichtbar kennzeichnen (Abs. 4) und können sich dafür nicht auf diese Metadaten stützen (Leitlinien Rn. 117).
Erhalten sollten Sie die Metadaten trotzdem; Google Merchant Center verlangt den IPTC-Eintrag für KI-Bilder. Fehlen sie, ist das kein Beleg gegen KI.
Zwei Pflichten, zwei Adressaten
Art. 50 Abs. 2 richtet sich an Anbieter von KI-Systemen, die synthetische Bilder, Videos, Audio oder Texte erzeugen. Sie müssen sicherstellen, dass die Ausgaben „in einem maschinenlesbaren Format gekennzeichnet und als künstlich erzeugt oder manipuliert erkennbar sind“. Die Lösungen sollen, soweit technisch möglich, wirksam, interoperabel, belastbar und zuverlässig sein. Als Techniken nennt Erwägungsgrund 133 Wasserzeichen, Metadaten, kryptografische Herkunftsnachweise, Protokollierung und Fingerabdrücke. Ausgenommen sind Systeme, die nur bei der Standardbearbeitung helfen oder die Eingaben nicht wesentlich verändern.
Art. 50 Abs. 4 richtet sich an Betreiber, also auch an Händler, die KI-Bilder einsetzen. Sie müssen zusätzlich zur Markierung nach Abs. 2 offenlegen, dass ein Deepfake künstlich erzeugt oder manipuliert wurde (Leitlinien Rn. 111). Diese Kennzeichnung muss ohne technische Hilfsmittel wahrnehmbar sein. Auf die maschinenlesbare Markierung des Anbieters kann sich der Betreiber deshalb ausdrücklich nicht stützen (Rn. 117).
Ob ein Bild ein sichtbares Label braucht, entscheidet der Deepfake-Begriff (siehe Deepfake im Onlineshop).
IPTC Digital Source Type
Der verbreitetste maschinenlesbare Hinweis ist ein einzelnes Feld im XMP-Block der Bilddatei: Iptc4xmpExt:DigitalSourceType im Namensraum http://iptc.org/std/Iptc4xmpExt/2008-02-29/. Es darf einmal vorkommen und enthält eine Adresse aus dem kontrollierten Vokabular des IPTC, zum Beispiel http://cv.iptc.org/newscodes/digitalsourcetype/trainedAlgorithmicMedia. Google Search und Google Merchant Center lesen dieses Feld.
Die für Shop-Bilder wichtigsten Werte, mit eigener Übersetzung der IPTC-Definitionen:
| Wert | Bedeutung | Typischer Fall im Shop |
|---|---|---|
trainedAlgorithmicMedia | von einem generativen KI-Modell erzeugt, das mit aufgenommenen Inhalten trainiert wurde | vollständig erzeugtes Produkt- oder Lifestyle-Bild |
compositeWithTrainedAlgorithmicMedia | mit einem generativen KI-Modell ergänzt, korrigiert oder verbessert, etwa durch Inpainting oder Outpainting | echtes Foto mit KI-Hintergrund oder KI-erweitertem Rand |
compositeSynthetic | Zusammenstellung mehrerer Elemente, mindestens eines davon generative KI | Collage aus Produktfoto und KI-Elementen |
algorithmicMedia | rein algorithmisch erzeugt, ohne Trainingsdaten | prozedural erzeugte Muster |
algorithmicallyEnhanced | algorithmisch korrigiert, der Hauptinhalt bleibt unverändert | Schärfen, Entrauschen |
computationalCapture | mehrere Aufnahmen automatisch zusammengeführt, ohne generative KI, etwa HDR | Smartphone-Foto mit Mehrbildverarbeitung |
digitalCapture | mit einer Digitalkamera aus der Wirklichkeit aufgenommen | klassisches Produktfoto |
humanEdits | von Menschen mit nicht generativen Werkzeugen bearbeitet | Retusche in der Bildbearbeitung ohne KI-Füllung |
Zurückgezogen sind minorHumanEdits (ersetzt durch humanEdits), digitalArt (ersetzt durch digitalCreation) und softwareImage. Google Merchant Center nennt für KI-Bilder TrainedAlgorithmicMedia als Pflichtwert und will außerdem CompositeSynthetic und AlgorithmicMedia erhalten sehen. compositeWithTrainedAlgorithmicMedia unterstützt Google Search, das Merchant Center nennt den Wert nicht. Mehr unter Google Merchant Center.
Neue KI-Felder in IPTC 2025.1
Der IPTC Photo Metadata Standard 2025.1 ergänzt vier Felder: AI System Used, AI System Version Used, AI Prompt Information und AI Prompt Writer Name. Prompt und Name des Prompt-Autors können personenbezogene Daten oder Geschäftsinterna enthalten. Für die Markierung kommt es nach den Leitlinien auf die künstliche Herkunft an, nicht darauf, wer den Inhalt erstellt hat (Rn. 94).
C2PA und Content Credentials
C2PA ist ein offener Standard der Coalition for Content Provenance and Authenticity, bekannt als Content Credentials.
- Manifest. In der Datei steckt ein Datenblock mit Angaben zur Entstehung, etwa die Aktion
c2pa.createdmit einem Digital Source Type, das erzeugende Werkzeug und frühere Bearbeitungsschritte. - Signatur. Das Manifest ist mit einem Zertifikat signiert und trägt einen Zeitstempel. Signierte, manipulationssichtbare Metadaten mit Zeitstempel verlangt auch der Code of Practice von den Anbietern.
- Harte Bindung. Prüfsummen über die Bytes der Datei verbinden Manifest und Bild. Ändert sich das Bild, passt die Prüfsumme nicht mehr, und das Manifest gilt als gebrochen.
- Trust List. Eine von C2PA geführte Liste vertrauenswürdiger Zertifikatsaussteller. Google zeigt KI-Angaben aus C2PA in „Über dieses Bild“ nur, wenn das Manifest mit einem Zertifikat einer Stelle von dieser Liste signiert ist.
Version 2.3 der Spezifikation erschien im Dezember 2025. Version 2.4 vom April 2026 bringt unter anderem eine eigene Angabe zur KI-Offenlegung (AI Disclosure) und erlaubt den Digital Source Type auch für Bestandteile ohne eigenes Manifest. Weiche Bindungen, also unsichtbare Wasserzeichen oder Fingerabdrücke, helfen nur, ein Bild wiederzufinden, wenn das Manifest verloren ging. Als Beleg für Unverändertheit taugen sie nicht.
Unsichtbare Wasserzeichen
Manche Anbieter betten zusätzlich ein unsichtbares Wasserzeichen in die Bildpunkte ein, etwa Google mit SynthID. Laut Shopify setzt auch Shopify Magic bei erzeugten Medien ein unsichtbares Wasserzeichen, aber kein sichtbares Label. Solche Wasserzeichen überstehen oft Größenänderungen, lassen sich aber nur mit dem Werkzeug des jeweiligen Anbieters auslesen. Unsere Werkzeuge lesen Metadaten, keine Wasserzeichen.
Warum Metadaten oft fehlen
- Übergang für Anbieter. Systeme, die vor dem 2. August 2026 auf dem Markt waren, dürfen bis zum 2. Dezember 2026 ohne Markierung ausliefern (Art. 111 Abs. 4).
- Freisteller und Bearbeitung. Werkzeuge zum Entfernen des Hintergrunds und viele Bildbearbeitungen schreiben eine neue Datei ohne die alten Metadaten.
- Re-Export und Screenshots. Wer ein Bild neu exportiert, komprimiert oder abfotografiert, verliert XMP und C2PA meist vollständig.
- Auslieferung über CDNs. Bildserver rechnen Bilder in andere Größen und Formate um. In der Shopify-Community wurde gemeldet, dass das Shopify-CDN XMP-Metadaten entfernte; Shopify-Mitarbeiter schrieben am 27. Juli und 4. September 2026, das Problem sollte behoben sein. Ein offizielles Änderungsprotokoll dazu gibt es nicht. In einem eigenen Test am 3. Oktober 2026 blieb der IPTC-Eintrag einer Datei im Original, in einer verkleinerten Fassung und als WebP erhalten. Ein C2PA-Manifest blieb in einem Test mit vier Dateien nach der Auslieferung nicht gültig, weil Shopify die Bilder neu kodiert.
Fehlende Metadaten beweisen nichts
Findet ein Werkzeug keine KI-Metadaten, kann das Bild trotzdem mit KI entstanden sein. Ob es ein Label braucht, wissen Sie oder Ihr Dienstleister, nicht die Datei. Ein KI-Eintrag ist umgekehrt ein starker Hinweis, ersetzt aber nicht die Prüfung, ob das Bild ein Deepfake ist (Rn. 111, 117).
Metadaten nie entfernen
- Der Code of Practice verlangt von KI-Anbietern, das absichtliche Entfernen oder Verfälschen von Markierungen durch Betreiber und Dritte in ihren Nutzungsbedingungen zu verbieten. Wer Markierungen entfernt, verstößt also meist gegen den Vertrag mit seinem KI-Werkzeug.
- Die Leitlinien ermutigen ausdrücklich, Markierungen zu erhalten (Rn. 16, 98).
- Google Merchant Center untersagt, eingebettete KI-Metadaten zu entfernen. Google Search Central weist darauf hin, dass das Entfernen von Metadaten in manchen Rechtsordnungen rechtswidrig sein kann.
- In China und Indien ist das Entfernen oder Verfälschen von KI-Kennzeichnungen ausdrücklich verboten (siehe weltweit).
Wir bieten deshalb kein Werkzeug zum Entfernen von Metadaten an.
IPTC schreiben bricht C2PA
Fehlt der IPTC-Eintrag, etwa nach einem Freisteller, können Sie ihn nachtragen; das hilft vor allem im Merchant Center. Trägt die Datei aber ein C2PA-Manifest, verändert jeder Schreibvorgang die Bytes, bricht die harte Bindung und tauscht damit den stärkeren Herkunftsnachweis gegen den schwächeren. Schreiben Sie in solche Dateien nichts, und bewahren Sie bei jedem Schreibvorgang das Original auf.
So prüfen und ergänzen Sie Metadaten
- Öffnen Sie die Datei im kostenlosen Metadaten-Prüfer. Er liest IPTC, XMP, EXIF und C2PA-Angaben im Browser, ohne Upload. Die C2PA-Signatur prüft er nicht, dafür braucht es die C2PA-Bibliothek und die Trust List.
- Prüfen Sie auch die Datei, die Ihr Shop ausliefert, über die Bildadresse aus dem Shop oder dem Produktfeed.
- Fehlt der Eintrag und hat die Datei kein C2PA-Manifest, tragen Sie ihn mit dem IPTC-Werkzeug nach. Es schreibt nur das Feld DigitalSourceType und lässt alle übrigen Metadaten unverändert; bei C2PA verweigert es das Schreiben.
- Laden Sie die ergänzte Datei hoch, nicht einen erneuten Export.
Häufige Fragen
Reicht die maschinenlesbare Kennzeichnung für Händler?
Nein. Deepfakes brauchen nach Art. 50 Abs. 4 eine sichtbare Kennzeichnung, weil Menschen die Markierung nicht wahrnehmen (Leitlinien Rn. 117).
Was bedeutet trainedAlgorithmicMedia?
Es ist der IPTC-Wert für Bilder, die ein mit aufgenommenen Inhalten trainiertes generatives KI-Modell erzeugt hat. Google Merchant Center verlangt ihn für solche Produktbilder.
Was ist der Unterschied zwischen C2PA und IPTC?
IPTC ist ein einfaches Textfeld, das jeder lesen und schreiben kann. C2PA ist ein signiertes, über Prüfsummen an die Datei gebundenes Manifest, das zeigt, wer es ausgestellt hat und ob die Datei danach verändert wurde.
Darf ich KI-Metadaten aus Bildern entfernen?
Davon raten wir ab. KI-Anbieter sollen das Entfernen nach dem Code of Practice in ihren Nutzungsbedingungen verbieten, Google untersagt es im Merchant Center, und China und Indien verbieten es ausdrücklich.
Wie prüfe ich, ob ein Bild KI-Metadaten enthält?
Öffnen Sie die Originaldatei und die Fassung aus Ihrem Shop im Metadaten-Prüfer; er zeigt IPTC-, XMP-, EXIF- und C2PA-Angaben ohne Upload.
Bedeuten fehlende Metadaten, dass ein Bild echt ist?
Nein. Metadaten gehen oft verloren, und KI-Werkzeuge aus der Zeit vor dem 2. August 2026 dürfen bis zum 2. Dezember 2026 ohne Markierung ausliefern.
Zerstört das Schreiben von IPTC eine C2PA-Signatur?
Ja. Jede Änderung an der Datei, auch ein IPTC-Eintrag, bricht die Bindung über Prüfsummen.
Quellen
Rn. steht für die Randnummer in den Leitlinien der EU-Kommission zu Art. 50, C(2026) 5054.
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung)EUR-Lex · Gesetz · 12.07.2024
- Leitlinien der Kommission zu den Transparenzpflichten nach Art. 50 KI-VO, C(2026) 5054 finalEuropäische Kommission · Kommission · 20.07.2026
- Code of Practice on Transparency of AI-Generated Content (finale Fassung)Europäische Kommission · Verhaltenskodex · 10.06.2026
- IPTC NewsCodes: Digital Source TypeIPTC · Standard · 23.10.2024
- IPTC Photo Metadata Standard 2025.1IPTC · Standard · 26.11.2025
- C2PA Technical Specification 2.2Coalition for Content Provenance and Authenticity · Standard · 01.05.2025
- C2PA Technical Specification 2.4C2PA · Standard · 01.04.2026
- Google Search Central: Bildmetadaten (IPTC, C2PA)Google · Plattform · 10.12.2025
- Google Merchant Center: KI-generierte InhalteGoogle · Plattform · 03.10.2026
- Google Merchant Center: Bildmetadaten erhaltenGoogle · Plattform · 01.02.2024
- Shopify Community: CDN entfernt IPTC-MetadatenShopify Community · Plattform · 04.09.2026
- Shopify Magic: Medien erzeugenShopify · Plattform · 03.10.2026


